Programm 2. Halbjahr 2017

 

 

Montag, 28. August 2017

 

 

 

„Mit Wieland hab' ich göttlich reine Stunden. Das tröstet mich viel“

 

 

 

Goethes Geburtstag. Wir feiern ihn in Biberach.

 

 

 

Zur Feier von Goethes 268. Geburtstag macht sich die Goethe-Gesellschaft auf nach Biberach. Hier hat ein anderes schriftstellerisches Genie seine frühe Jugend erlebt: Der 1733 in Oberholzheim geborene Christoph Martin Wieland. Mitte des 18. Jahrhunderts gehörte er zu den berühmtesten deutschen Autoren. Die Weimarer Herzogin Anna Amalia holte ihn, wie viele andere Geistesgrößen, nach Weimar und gewann ihn auch als Erzieher für ihren Sohn Carl August.

 

 

 

In seinem jugendlichen Eifer sah Goethe Anfang der 70er Jahre Wieland kritisch. Dies hat sich jedoch bald gelegt und es entstand eine von gegenseitiger Achtung geprägte Freundschaft. In seinem Tagebuch vom 8. Februar 1780 notierte er: „Abends kam Wieland und wir waren sehr lustig.“

 

 

 

Die Fahrt beginnt am Ulmer Hauptbahnhof um 10.12 Uhr. Nach Ankunft in Biberach erfolgt eine Stadtführung. Anschließend wird der Geburtstag mit einem gemeinsamen Mittagessen gefeiert.

 

 

 

Nach einem Spaziergang durch den Wieland-Park gibt es eine Führung durch das Wieland-Archiv im neu renovierten Roten Bau. Diese erfolgt durch Frau Kerstin Bönsch, Geschäftsführerin der Christoph Martin Wieland-Stiftung. Abgeschlossen wird der Geburtstag mit einer kleinen Lesung im dortigen Veranstaltungsraum.

 

Rückkehr in Ulm 16.44 Uhr.

 

 

 

(Anmeldung unbedingt erforderlich. Pauschalpreis für Mitglieder der Goethe-Gesellschaft € 25. Für Nichtmitglieder € 29)

 

 

Donnerstag, 28. September 2017 19.30 Uhr

Haus der Begegnung Ulm

 

„Eine Erscheinung wie Mozart bleibt immer ein Wunder“

 

Mozart und Goethe. Eine kritische Analyse.

Vortrag von Volkmar Braunbehrens, Freiburg.

 

Mit einem musikalischen Intermezzo des Schneewittchen-Trios.

 

Aus 'Dichtung und Wahrheit' und einigen Bemerkungen des späten Goethe zu Eckermann glaubt man eine große Bewunderung Goethes für Mozart ablesen zu können. Geht man den historischen Spuren jedoch gründlicher nach, ergibt sich ein ganz anderes Bild: Goethe hatte große Schwierigkeiten, sich dem Werk Mozarts zu nähern. Der Musikwissenschaftler, Publizist und Mozart-Kenner vermittelt in seinem Vortrag einen überraschenden Ausblick auf eine verpasste Sternstunde.

 

(Eintritt € 10/€ 5 für Goethe-Mitglieder, Schüler, Studenten)

 

 

Dienstag, 17. Oktober 2017 19.30 Uhr

Museumsgesellschaft Ulm Neue Strasse

 

„Gedenke zu leben! Wage es, glücklich zu sein“

 

 

 

Goethe und  das Glück

Vortrag von Dr. Manfred Osten, Bonn.

 

Goethes Strategien, sich sein Glück zu erarbeiten - gerade in verzweifelten Zeiten.

"Jeder Trost ist niederträchtig / Und Verzweiflung nur ist Pflicht" heißt es in einem Versentwurf zum Faust. Goethe selbst aber hat sich gegen Unglück und Verzweiflung zur Wehr gesetzt und im Wilhelm Meister dagegengehalten: "Gedenke zu leben! Wage es, glücklich zu sein!"

Einer der profundesten Goethekenner, Manfred Osten, zeigt, wie Goethe sich zwischen diesen beiden extremen Polen bewegt hat, und wie er für sich Strategien und Wege fand, glücklich zu sein. Wer glücklich sein will, muss sich das erarbeiten, muss an sich arbeiten. Goethe nannte dies das "Übungsglück" der Mäßigung.

 

Gleichzeitig beschreibt Osten, wie hellsichtig Goethe seine Zeit und die aufkommende Industrialisierung mit der sie begleitenden Beschleunigung allen Wirkens und Handelns als dem Glück entgegenstehend verstanden hat: "So wenig nun die Dampfwagen zu dämpfen sind, so wenig ist dies auch im Sittlichen möglich: die Lebhaftigkeit des Handels, das Durchrauschen des Papiergeldes, das Anschwellen der Schulden, um Schulden zu bezahlen, das alles sind die ungeheueren Elemente ..." Geschrieben hat Goethe das 1825, aber es wird hier eine Brücke zu uns ins 21. Jahrhundert geschlagen, in dem sich scheinbar alles Glück und jedes Leben optimieren lässt.

 
 

 

Sonntag, 12. November 2017 11.15 Uhr

 Matinee in der Pauluskirche, Ulm

 

 „Heiterkeit zum Erdenleben, sei dem flüchtigen Rausch Gewinn“

 

Feuertrunken oder Der zerrissene Gott.

Literarische Lesung mit Walter Frei.

Musikalische Begleitung: Schneewittchen-Trio

 

Religion ist ohne ekstatische rauschhafte Momente undenkbar. Selbst in der mehr nüchternen als heiligen protestantischen Variante von Religiosität. Ekstase und Exzess, ja zumindest Gewaltbereitschaft, liegen eng beieinander.

 

Der Gekreuzigte als Symbol für das Ende aller Gewalt aber damit auch einhergehend das dionystische oder auch entfesselte Moment, das ins Gegenteil führen kann. Diese Ambivalenz des menschlichen Seins wird mit Texte von Hölderlin, Novalis, Mörike, Nietzsche u. a. zum tieferen Verständnis und zum  Nachdenken darüber, vorgetragen.

 

Kammermusikalische Funken zum Thema werden vom Schneewittchen-Trio beigesteuert.

 

Vorschau auf 2018

Montag, 15. Januar 2018 19.30 Uhr

Club Orange Volkshochschule Ulm

 

Walter Frei liest!

 

 Einer jahrelangen Tradition folgend, eröffnet Walter Frei das Jahresprogramm der Goethe-Gesellschaft in Ulm und Neu-Ulm e. V im Club Orange. Aus dem reichen Fundus seiner Bibliothek hat er für diesen Abend wieder eine ganz besondere Zimelie entdeckt, mit der er die Zuhörer überraschen wird.

 

(Eine Veranstaltung der Goethe-Gesellschaft und der Volkshochschule Ulm. Eintritt € 5/€ 4)

 

 

Donnerstag, 22. Februar 2018 19.30 Uhr

 

„Es schnurrt mein Tagebuch

Am Bratenwender:

Nichts schreibt sich leichter voll

Als ein Kalender“

 

 

Das Goethe-Tagebuch

 

 

Ventil, Spiegel, Zuchtrute, Werkstatt des Schriftstellers und bedeutendes Zeitdokument.

 

Vortrag von Christine Lammel, Ulm.

 

 

 

Goethe schreibt fast 60 Jahre seines Lebens Tagebuch. Somit ist das Tagebuch das Dokument, an dem er am längsten gearbeitet hat. Der Vortrag geht darauf ein, wie Goethe die Angstvorstellung von der Zeit als einem in irrer Monotonie sich umwälzendem Rad im Laufe und mit Hilfe des Tagebuchs überwunden hat. Der tätig ausgefüllte Tag ist es, der gegen den lähmenden Medusenblick eines leeren Kreislaufes wappnet. „Jeder Tag ist ein Gefäß, in das sich sehr viel eingießen lässt.“ 1811 formuliert Goethe das mit großer Selbstsicherheit. Seit 14 Jahren ist ihm von über 5000 Tagen kein einziger entronnen, ohne dass das Gefäß des Tagebuchs am Abend geleert und sein Inhalt registriert, rubriziert, bewertet und zu weiterer Bearbeitung vorbereitet wird.

 

Durch ständige Selbstkontrolle und Selbstverantwortung schafft es Goethe der ständig unerbittlich, verrinnenden Zeit Sinn, Gehalt und Ergebnisse abzugewinnen. So ist es ihm gelungen, die wie es der Goethe-Tagebuch Kenner Hans-Heinrich Reuter so treffend formuliert, „ungeheure und einzigartige Lebenspyramide zu bauen.“ Wie er das macht und wie er sich mit Hilfe des Tagebuchs selbst erzieht, dürfen die Zuhörer und Zuhörerinnen anschaulich und lebendig miterleben.